Ein immer wieder spannend zu lesendes Thema ist das Trinkgeld. Auf einem Blog den ich Lese Finanziell Frei mit 30, schrieb Anna ein Artikel über Trinkgeld wann und ob man welches geben sollte. Da mich dieses Thema selber tangiert, wollte ich ein Kommentar schreiben. Ich scrolle also nach unten, lese mir die vielen Kommentare durch und ärgerte mich grün und blau.

Was jetzt kommt, wird nicht jedem gefallen. Was ich schreibe spiegelt meine Meinung und meine Weltanschauung dar und sollte keinen beleidigen, noch sollte sich „angegriffene“ Personen sich angegriffen fühlen.

 

Wie halte ich es mit dem Trinkgeld?


Um es kurz zu sagen: schlecht bis gar nicht. Einerseits, weil ich Trinkgeld mit gutem Service verbinde und guter Service ist für mich nicht Speisekarte bringen, Essenswünsche notieren und das Essen bringen. Zweitens weil die Kellner Mindestlohn bekommen.

Was verdient Trinkgeld?

Kommen wir zum Service. In jedem Beruf gibt es Tätigkeiten die Voraussetzung sind um diesen Job zu machen. Diese Tätigkeiten spiegeln die Grundstruktur wieder. Zu dem Standart eines Kellners gehört in meinen Augen eben das bringen einer Karte, das Aufnehmen der Bestellung, diese auch zu bringen. Das ist in meinen Augen kein Service, sondern Grundvoraussetzung. Wenn ein Kellner die Karte nicht kennt, hat er versagt. Wenn der Kellner den Wein nicht kennt, hat er versagt. Wenn er mir kein Vorschlag machen kann was ich heute Essen kann, hat er Versagt. Service besteht darin dem Kunden eine besondere Leistung zu geben. Zum Beispiel das hinweisen das dieser Wein zu diesem Essen nicht passt und ein Gegenbeispiel liefern. Eine Speise anbieten die für das Haus berühmt ist. Oder in einer geselligen und betrunkenen Runde härtere Drinks anbieten, damit die Laune bestehen bleibt.

Einige dieser Beispiele treffen auf schicke Restaurants zu, andere auf Kneipen, man muss da sicherlich Differenzieren. Fakt bleibt aber, Service sollte etwas besonderes sein und nichts Grundlegendes.

Kellner und Trinkgeld

Ausgangssituation

Warum denke ich so über den Service? Ich selber war Kellner und habe eben diesen Service angeboten. Ich lebe mein Leben nach dem Prinzip: Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst und Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. 

Egal wo ich gekellnert habe, ich versuchte immer freundlich, charmant, zuvorkommend zu sein, eben dem Menschen ein besonderes etwas zu geben damit er einen schönen Tag haben kann. Hab ich oft Trinkgeld bekommen? Nein! Hab ich Trinkgeld aus Voraussetzung gesehen? Nein! Warum sehe ich es nicht als Voraussetzung? Weil ich als Kellner mehr als Mindestlohn bekomme habe!

Ich weiß sehr wohl wie anstrengend es ist zu Kellnern. Es ist stressig mehrere Tische zu bedienen. Jedem Gast die gleiche Höflichkeit zu bieten, obwohl er das größte Arschloch ist. Drei Teller zu tragen und sich dabei an den Teller verbrennen, weil es keine Handtücher mehr gibt. 15 Champagner Gläser in einer betrunkenen Meute sicher zu transportieren. Pöbelnde Gäste die sich über einen beschweren. Ich kenne so einiges, aber ist es ein Grund auf Trinkgeld zu pochen? Nein! Es ist eben der Job eines Kellners und wenn man diese Probleme nicht will, sollte man weiter ziehen.

Umso mehr freut man sich, wenn es mal Trinkgeld gab. 1€ werden an so einem Abend schon wie ein Hauptgewinn angesehen. Es lässt einen vergessen wie mistig sich die anderen Gäste sich verhalten.

Leider ist es nicht immer so

ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wann ich einen guten Service bekommen habe. 40 Minuten auf Getränke warten in einer leeren Bar. Von Entschuldigung keine Spur. Gelangweilte und genervte Gesichter. Unhöfliche und wehleidige Sprüche. Wer sich da Aufregt, weil er kein Trinkgeld bekommt, ist selber Schuld!

Wer bis hierhin gelesen haben sollte, wird sich über einige Aussagen aufregen und den Kopf schütteln. Genauso erging es einem Leser auf dem Blog von Dominik und Anna. Der gute Insider schrieb unter anderem:

Ansonsten finde ich deinen Artikel sehr überheblich geschrieben . Viele Kellner sind Schüler und Studenten im nebenverdienst, Migranten oder Menschen ohne formalen Berufsabschluss. Sie ernähren mir ihrem Job die Familie oder finanzieren ihr Studium und bezahlen ihre Schulden. Sie finden nicht einfach etwas anderes und sind oft froh den schlecht bezahlten Job ausüben zu können .

Das neoliberale gequatsche “ such dir was besseres “ ist oft individuell nicht so leicht oder gar nicht umzusetzen . Gerade jüngere und privilegierte Menschen wie du, sollten das einfach mal bedenken. Und froh sein,
dass es Kellner , Putzfrauen, landwirte usw. Gibt. Für mich war der Artikel deswegen ehrlich gesagt äußert unangenehm zu lesen . Die zeilen triefen vor überheblichkeit. Zum Schluss stellte ich erst fest , dass nicht Dominik der Autor ist .

Dieser Kommentar passt auch ganz gut für meine Meinung. Auch ich wirke überheblich mit meinem neoliberalem gequatsche. Dennoch will ich mich hier rechtfertigen und zeigen das dieser Insider in meinen Augen genauso ein gequatsche veranstaltet.

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Wer Kellnert ist Arm und soll sich was besseres suchen

Als ich keine Lust mehr auf Kellner hatte weil mir die Umstände der Gäste nicht passte, wechselte ich meinen Job. Als Kellner verdiente ich mehr als Mindestlohn, 11€ die Stunde, dennoch war ich der Meinung, ich sollte als Mensch weiter gehen und einen besseren Job suchen. Der Traum von Lohn + Trinkgeld war schnell geplatzt.

Ich wurde Gästebetreuer in einem Theater. Es gibt Mindestlohn und der Service wird Hochgeschrieben, der Gast zahlt mehrere Hundert Euro und soll wie Creme de la Creme behandelt werden. Schulungen und auswendiglernen sind also angesagt. Bekomme ich auf dieser Arbeit Trinkgeld, weil ich jeden wie einen Adligen behandle? Nein! Warum eigentlich nicht? Warum ist das Trinkgeld beim Kellner hoch im Kurs und so Gesellschaftlich verankert und andere Servicejobs nicht?

Man sollte sich doch fragen, warum gebe ich schlechtem Service Geld und einem exzellenten nicht? Bestehe ich als Gästebetreuer auf Trinkgeld in der Oper? Nein! Warum? Weil ich Mindestlohn bekomme!

Und hier kommt auch die erste Aussage, von Insider, die ich aus meiner Erfahrung entkräften will:

Viele Kellner sind Schüler und Studenten im nebenverdienst, Migranten oder Menschen ohne formalen Berufsabschluss. Sie ernähren mir ihrem Job die Familie oder finanzieren ihr Studium und bezahlen ihre Schulden. Sie finden nicht einfach etwas anderes und sind oft froh den schlecht bezahlten Job ausüben zu können.

Ich gehe von einem Student/ohne Qualifikation aus, weil Schüler meist noch bei ihren Eltern wohnen und nicht wirklich viel Arbeiten müssen. Ich gehe auch aus, das der Student und normaler Mensch weder Bafög noch andere Zuschüsse wie Harz IV bekommen, kein Geld von Eltern ect.

Mindestjob sind 450€ im Monat und wir müssen uns hier nicht streiten um festzustellen, dass das nicht zum Leben reicht. Was ist also die nächstmögliche Konsequenz die wir feststellen das diese 450€ nicht zum Leben reichen? Heulen? Auf Trinkgeld pochen? Nein, das Leben in die Hand nehmen und mehr Arbeiten.

Von nichts kommt nichts

Wer mehr braucht, sollte mehr machen. In meinen Fall heißt es, neben dem Studium, was eigentlich Vollzeit bedeutet weitere 120h in der Oper zu arbeiten. Es ist anstrengend, Zeitraubend und nicht förderlich für Studium, Leben und Gesundheit. Was ist also die weitere Konsequenz aus meiner Situation? Weniger Arbeiten? Nein, mich mit Geld auseinander setzen, ein passives Einkommen aufbauen. Ich hab weder reiche Eltern noch bin ich mit anderen Dingen privilegiert. Ich habe mir selber alles erarbeitet und wenn ich es kann, können es andere auch.

Die Aussage zu treffen „Sie finden nicht einfach etwas anderes und sind oft froh den schlechten bezahlten Job ausüben zu können“ finde ich wie das aufgeben des eigenen Lebens. Wer Kraft und Willen hat, wird immer einen Weg finden. Es gibt eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten seitens des Staates oder private Maßnahmen die man treffen kann um seine Qualifikation zu steigern. Wer diese Möglichkeiten nicht nutzt ist in einer Komfort Zone gefangen und sollte sich nicht über Dinge aufregen.

Sicherlich ist es für einige Schwieriger als für andere, aber aufzugeben ist keine Option und deswegen kein Argument.

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Wahrheit tut weh

Ich bin Student und Lebe mehr als gut. Um so zu leben, habe ich auf vieles am Anfang verzichtet und gearbeitet wo andere feiern waren. Ich Lebe, investiere, verreise und kaufe mir Konsumgüter mit Mindestlohn ohne Schulden zu machen und das alles ohne Trinkgeld, warum sollte ich also einem Kellner, der genau das gleiche Gehalt bekommt wie ich, Trinkgeld geben?

Hab ich Kinder die ich versorgen muss? Nein, habe ich nicht, könnte ich aber, auch mit Mindestlohn. Hab ich ein Auto mit laufenden Kosten? Nein, könnte mir aber sofort eins kaufen und das mit Mindestlohn!

In meinen Augen ist es keine Ausrede als Kellner schlecht zu leben. Und es ist in meinen Augen auch nicht böse oder schlecht kein Trinkgeld zu geben, weil ich eben weiß, wie gut man mit Mindestlohn leben kann.

Die Wahrheit liegt meist tiefer vergraben. Schlechter Umgang mit Geld und viel zu viele Konsumschulden reiten die Menschen in die Armut. Es sind nicht die Jobs.

Ich weiß, viele haben hier eine andere Meinung. Aber ich gebe erst Trinkgeld, wenn ich wirklich ein Service bekommen habe, ich arbeite hart und viel für mein Geld und jemanden das Geld einfach so geben weil er mir das Essen gebracht hat, sehe ich nicht ein. Ich zahle aber für guten Service Trinkgeld, weil ich diesen Extraservice honorieren will, weil ich eben Menschen so behandle wie ich gerne behandelt werden will.

 

Summary
Trinkgeld für den Kellner? Nein danke, du hast Mindestlohn
Article Name
Trinkgeld für den Kellner? Nein danke, du hast Mindestlohn
Description
Soll man Trinkgeld geben oder nicht? Das ist eines der größten Fragen wenn man Service in Anspruch genommen hat, aber gebe ich Trinkgeld?

5 Kommentare

Finanziell Frei mit 30 - Dominik · 18. Juni 2018 um 14:13

Hallo Sanja,

großartiger Beitrag und ich finde es toll zu hören, dass Du das als ehemaliger Kellner ebenfalls so mit dem Thema siehst. Ich glaube die meisten sind in Deutschland zu verwöhnt (mich selbst eingeschlossen) und sind es nicht gewohnt hart für ihr Geld zu arbeiten oder Leistung abzuliefern. Es herrscht eine hohe Erwartungshaltung an die anderen, dass sie einem doch mehr zahlen sollten.

Auf die eigene Leistung abzustellen oder sich anzustrengen kommt für die meisten nicht in Frage.

Schöne Grüße
Dominik

    Sanja · 25. Juni 2018 um 23:29

    „Auf die eigene Leistung abzustellen oder sich anzustrengen kommt für die meisten nicht in Frage.“ und das ist das traurigste an der Gesellschaft.

Anna · 18. Juni 2018 um 14:48

Hallo Sanja!

Danke für deinen Beitrag 🙂 Interessant, dass du eigene Erfahrung mit dem Kellnern hast und das trotzdem relativ ähnlich siehst. Für mich klingt der Satz „Sie finden nicht einfach etwas anderes und sind oft froh den schlechten bezahlten Job ausüben zu können“ auch wie ein Aufgeben, was ich nicht verstehen kann. Ich halte mich auch nicht für privilegiert, weil ich ja die gleichen Probleme habe, wie eigentlich fast jeder. Sogar IT-Spezialisten und sehr gut verdienende Menschen sitzen im gleichen Boot wie ein Kellner oder ein „Geringverdiener“. Es gibt nur den Unterschied:

– Es gibt Jobs mit leichter Einstiegsmöglichkeit. Diese Arbeiten setzen recht wenige Grundvoraussetzungen voraus, man kann sofort anfangen eigentlich. Sie sind nicht unbedingt leichter in der Tätigkeit, aber durch die leichte Einstiegsmöglichkeit zahlst du eben einen Preis, nämlich dass das Gehalt recht niedrig ist. Außerdem denken sich das viele und so kommt ein hohes Angebot an Arbeitskräften zustande => drückt das Gehalt.

– Deswegen entscheiden sich die meisten für die zweite Variante: Ausbildung machen, Voraussetzungen spezifizieren. Hier sind alle Studenten zuhause. Dieser Karriereweg ist die „Normalität“. Man investiert ein paar Jahre, um speziellere Kenntnisse aufzubauen und sich auf dem Arbeitsmarkt rarer zu machen => Gehalt ist prinzipiell höher. Preis: paar Jahre unentgeltliches Arbeiten (Lernen).

Das ist im Grunde der einzige Unterschied, der einen Manager oder eine Putzkraft trennt. Deswegen verstehe ich das „Privileg“ nicht so richtig. Am Ende bleibt es trotzdem das Hamsterrad und aktives Arbeiten.

Klar, manche haben es vielleicht leichter. Manche müssen erst die Sprache lernen, was andere nicht machen müssen. Nichtsdestotrotz muss sich jeder anstrengen. Selbst die reichen Unternehmer. Ausruhen können sich wohl nur die oberen 5%, aber selbst da arbeiten viele weiter.

Viele Grüße 🙂
Anna

    Sanja · 25. Juni 2018 um 23:28

    Du hast vollkommen Recht. Der Kommentar dieses Users, war etwas „emotional“. Unter einem Privileg verstehe ich auch etwas komplett anderes.
    Aber es ist ein spannendes Thema und tangiert viele Menschen und viele fühlen sich schnell verletzt wenn es zu solchen aussagen kommt „such was besseres“.

Was ist eine Paywall und warum wird sie gehasst? · 17. Juli 2018 um 13:49

[…] den Bogen von einer meiner letzten Einträge zu spannen. Ich sehe als eine Art „Trinkgeld“. Der Kellner bekommt welches, warum nicht ich in Form eines […]

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